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Gedanken eines Busfahrers

 

Ein Reisebus zieht seine Bahn. Die Insassen sind guter Dinge, 9 Tage waren sie unterwegs. Die Erinnerungen an die Toskana mit dem exklusiven Hotel in der Villengegend direkt an der Mittelmeerküste sind noch allgegenwärtig. Der letzte Kaffee ist serviert und die Zubringerfahrzeuge wissen genau, dass in 35 Minuten der Bus an der Haltestelle eintreffen wird, denn er ist immer pünktlich. Doch diesmal wird er es nicht sein, denn plötzlich verlangsamt ein Streifenwagen der Polizei seine Fahrt, die Leuchtschrift lässt unmissverständlich den Bus auf dem nächsten Parkplatz zum Stehen kommen.

Der Busfahrer ärgert sich, weil der große organisatorische Aufwand für einen reibungslosen Ablauf der Fahrt gesorgt hat und nun weht ein Hauch von Unsicherheit durch die harmonische Atmosphäre im Bus. Die beiden Polizisten erklären dem Busfahrer, dass Busse nicht zum Freiwild erklärt wurden aber die neu gegründete Sonderkommission würde nun ihre Arbeit durchführen müssen.

Nun schmunzelt der Busfahrer doch, denn die Polizisten haben die Anweisung, Kontrollen durchzuführen, die eigentlich nur durch geschulte Fachorgane auf technischem und genehmigungsrechtlichem Gebiet durchgeführt werden können.

Um mit einem Reisebus Fahrten durchzuführen bedarf es gesetzlich geregelter Voraussetzungen, die in Schulungen der Industrie- und Handelskammer erworben werden können. Ein Nachweis der fachlichen Eignung muss vor einer Kommission abgelegt werden.

Diesen Nachweis der fachlichen Eignung müssen auch diejenigen ablegen, die eine Busfahrt organisieren! Dies gilt sowohl für Wohlfahrtsverbände, als auch für Vereine, Reisebüros, Schulklassen und sonstige Veranstalter.

Der Hintergrund liegt darin begründet, dass derjenige der eine Busreise organisiert mit den Sozialvorschriften der Busfahrer vertraut sein muss und auch  alle genehmigungsrechtlichen Angelegenheiten der zu befahrenen Strecke berücksichtigen kann.

Liegt diese fachliche Eignung vor, kann zusammen mit anderen Unterlagen, wie polizeiliches Führungszeugnis, Nachweis der wirtschaftlichen Mindestanforderung, Gewerbegenehmigung und Weiterem, die Konzession für die Verkehrsrichtung, die man bedienen möchte, beim Bundesamt für Bau- Verkehr- und Straßenwesen beantragt werden.

Bei diesem Amt muss der jährliche TÜF aller konzessionierten Fahrzeuge nachgewiesen werden. Dieser bedingt auch eine vierteljährliche Sicherheitsüberprüfung, die im fahrzeugbegleitendem Prüfbuch nachgewiesen wird und auch am Heck jeden  Busses auf einer Plakette ersichtlich ist.

Das fachliche Kontrollorgan auf der Straße ist, für den Güterverkehr und auch seit einigen Jahren für den Busverkehr, das Bundesamt für Güterverkehr. Diese blau- weißen Fahrzeuge mit dem Schriftzug BAG sind inzwischen überall auf unseren Straßen präsent. Das Gewerbeaufsichtsamt hingegen kontrolliert die Fahrtzeiten der Fahrer noch bis zu einem Jahr später in den Betrieben.

Pressemitteilungen über Busunfälle verunsichern zunehmend Reiselustige aller Altersklassen. Bei der detaillierten Darstellung der Ereignisse in den Medien verblasst die Tatsache, dass zu jedem Zeitpunkt hunderte Busse zur gleichen Zeit tausende Fahrgäste sicher und komfortabel ans Reiseziel bringen, während allein auf deutschen Straßen täglich ein dutzend Menschen in anderen Verkehrsmitteln sterben.

Bei Kontrollen festgestellte Mängel können nur innerhalb der Frist von 3 Monaten entstanden sein, dies ist der Zeitraum bis zur nächsten gesetzlichen Sicherheitsprüfung. Seit 1990 ist kein deutscher Busgast wegen eines technischen Defektes zu Schaden gekommen.

Die vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten sind eine komplizierte Materie, die jedoch auf dem Schaublatt des Busses exakt dokumentiert wird. Eine Mindeststehzeit von 15 Minuten zählt erst als Pausenzeit. Pause und Fahrtzeit sind innerhalb genau festgelegter Zeitblöcke variierbar. Sieht ein Fahrer nun nicht genau auf die Uhr und fährt am Ende des ersten Zeitblockes nach 14 Minuten wieder ab, zählt dieses als Fahrtzeit und er überschreitet ab jetzt seine Lenkzeit. Kommt er einige Stunden später in eine Kontrolle werden ihm die  nachfolgenden Stunden mit 20 EUR Strafe pro Minute berechnet. Für den Laien stellt sich bei Festsetzung dieses Strafmaßes sofort klar dar, es kann sich nur um einen übermüdeten Fahrer handeln kann.

Eltern sind inzwischen besorgt, wenn ihre Kinder zur Klassenfahrt aufbrechen. Tatsache ist, dass der Elternverband, auf der Suche nach dem billigsten Angebot, auf Billiganbieter im Busreisegeschäft treffen können, die aus ökonomischen Zwängen die gesetzlichen Grenzen voll ausreizen oder auch überschreiten.

Ein gesundes Busunternehmen kalkuliert seinen Fahrpreis immer nach seinen anfallenden Kosten für Wartung und Pflege seines Fahrtzeuges und nach dem notwendigen Einsatz seiner Fahrer. Es ist somit nie das billigste sondern das Günstigste im Preis- Leistungsverhältnis.

Reisen ist Vertrauenssache!

Dem sichersten und ökologischsten Verkehrsmittel solch einer allgemeinen Diskriminierung zu unterwerfen, wie es momentan getan wird, ist in keiner Weise gerechtfertigt.

 

Carsten Friebel

 

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